Tragisches Ende einer Winterfahrt: Eine 20-Jährige stirbt, ihr Mann (23) wird schwer verletzt, als sie gestern Vormittag mit ihrem Auto 40 Meter von der Schleusetalbrücke der A 73 in die Tiefe stürzen.
Schleusingen - Es ist ein Wintertag, wie er junge Leute in die Berge lockt: Knackig kalt liegt die Landschaft unter einer dichten Schneedecke, Nebelschwaden lassen die Auen im Sonnenschein wie verzaubert glitzern. So romantisch dieses Bild ist, so gefährlich ist es an diesem Morgen auf der A 73. Die angetaute Straßenoberfläche verwandelt sich stellenweise in eine gefährliche Rutschbahn, bereits kleinste Fahrfehler können jetzt schlimme Folgen haben. Auf der 688 Meter langen Schleusetalbrücke zwischen Eisfeld-Nord und Schleusingen kommt bei einem tragischen Unfall eine 20-jährige Frau aus dem Landkreis Coburg ums Leben. Der Fahrer des Wagens, ihr drei Jahre älterer Mann, wird bei dem Horror-Absturz schwer verletzt.
Der Audi der beiden war kurz vor elf Uhr in Richtung Suhl aus ungeklärter Ursache auf den Randstreifen gekommen, wo der von der Straße geräumte Schnee lag. Fatal: Weil die Schneemassen dort fast so hoch sind wie die Geländer der Brücke, wird das Auto von diesem nicht gebremst, sondern rast wie auf einer Rampe aus Schnee und Eis über die Absperrung hinweg und stürzt 40 Meter in die Tiefe des verschneiten Schleusetals.
Es gibt laut Polizei keine Zeugen des eigentlichen Unfalls. Ein Mann an der Straße sagt leise, dass es schon am Morgen auf der eisglatten Brücke zu einem Unfall gekommen sei, der als Blechschaden freilich einen glimpflicheren Ausgang fand.
Doch jetzt bietet sich den Rettern, ein grauenhaftes Bild. Der von der Brücke gestürzte Audi muss von der Feuerwehr mit der Rettungsschere aufgeschnitten werden, damit die Sanitäter überhaupt an die Insassen heran kommen. Gegen 11.30 Uhr sagt ein Polizist: "Jetzt haben wir die traurige Gewissheit. Die Frau hat den Sturz nicht überlebt." Auch für ihren Mann sehe es "gar nicht gut aus".
Unterdessen tun die Feuerwehrleute aus Schleusingen, Schönbrunn, Waldau und Hildburghausen ihr Möglichstes. Ein Winterdienstfahrzeug kommt, es räumt auf der Wiese einen etwa 200 Meter langen Rettungsweg frei. Der Hubschrauber Christoph 60 und mehrere Rettungswagen sind vor Ort, Mediziner versorgen den eingeklemmten Mann.
Skilangläufer sind verwundert - statt eine ruhige Runde durch den Schleusegrund zu drehen, werden sie Beobachter der Rettungsaktion. An der Landstraße, die unter der Brücke entlangführt, sammeln sich Schaulustige aus Oberrod und Waldau. Einige sind schnell mit ihren Schuldzuweisungen: Der Fahrer sei zu schnell unterwegs gewesen, wollen sie wissen. Eine erschütterte Frau fragt, ob jemand wisse, ob sich ein Kind im Unglückswagen befinde.
"Wer die Schuld trägt? - Im Protokoll wird man von unangepasster Geschwindigkeit berichten. Doch schauen Sie sich auch mal die Schneeberge am Fahrbahnrand an. Die wirken wie Sprungschanzen, das sind Abflugrampen!", verliert ein Polizist nur für einen Augenblick die Fassung. Später sagt er: "Niemand kann alle paar Minuten mit der Schneefräse über die Brücken gehen, da gibt es einfach auch Grenzen!"